Gestern...

Die Burg Dagestein ist das älteste und historisch bedeutendste Baudenkmal der Stadt Vilseck. Ihre herausgehobene administrative Stellung als Schloss und Amtssitz des Hochstiftisch – Bambergischen Pflegamts ist längst Geschichte. Im Erscheinungsbild der Altsstadt ist sie das dominierende Bauwerk geblieben.

Die Geschichte der Burg Dagestein reicht zurück bis in die Zeit Karls des Großen. Als dieser im Jahr 788 Bayern in sein Frankenreich einverleibte, erwarb er auch den bayerischen Nordgau, zu dem das Gebiet von Vilseck gehörte. Zum Schutz vor den benachbarten, damals sehr unruhigen Böhmen errichtete Karl die Böhmische Mark. Die Schutzaufgaben oblagen den Siedlern unter der Führung eines Markgrafen. Zur Abwehr von Überfällen der Slawen machte man sich an den Bau von Burgen. In das entstehende Burgennetz war wohl auch der Urahn der Burg Dagestein eingegliedert. Seine Aufgabe bestand darin, die Straße nach Eger mit zu überwachen und zu schützen, sowie den Zugang ins Vilstal zu sperren.

Aus heimischen Kalk und Sandstein begann man im Laufe des 12. Jahrhunderts mit dem Bau des Bergfrieds. Die Burg gehörte zum Besitz des Hochstifts Bamberg. Als im Jahr 1190 die Burg erstmals in einer Urkunde erwähnt wird, waren bereits schwere Stürme über sie hinweg gezogen. Den Feldzug Karls des Großen gegen die böhmischen Tschechen 805, die Empörung des Babenberger Markgrafen Heinrich von Schweinfurt 1003 und die Feldzüge gegen Herzog Bratislav von Böhmen 1040/41 unter König Heinrich III. überstand sie gerade noch. Aber während des durch die Nordgauer Verschwörung 1104 hervorgerufenen Verheerungsfeldzugs Kaiser Heinrich IV. gegen den Hauptempörer Berengar von Sulzbach, den Vogtherrn über das Vilsecker Gebiet, wurde sie bis auf den Grund zerstört.

„In der Folgezeit entstand die Burg“, wie der Chronist vermerkt, „in neuem Gewand, stärker und trotziger als vordem, und mit ihr, gleich einem aus der Vils auftauchendem Löwen, die Stadt Vilseck“. Der starken Befestigung verdanken es Burg und Stadt, dass sie in der Zeit von 1380 bis 1512 keinen Feind in ihren Mauern sahen. Besonders im Hochmittelalter bot die Stadt Reisenden Schutz, die auf dem Trassenband der „Goldenen Straße“ unterwegs waren, dem von Kaiser Karl IV. geschaffenen wichtigen Handelsweg zwischen Nürnberg und Prag. Gegen die Hussiten konnte sich die Burg erfolgreich behaupten, dennoch blieb sie nicht vor Plünderungen und Brandschatzungen verschont. 1512 gelang es den räuberischen Rittern Hans Pflug und Hans von Selbitz die Burg zu überrumpeln, auszuplündern und niederzubrennen. Die in Schutt und Asche liegenden Wirtschaftsgebäude und das Wohn- und Kastengebäude konnten auf dem stabil gebliebenem Mauerwerk in kurzer Zeit wieder aufgebaut werden.

Am Ende des 16. und am Anfang des 17. Jahrhunderts werden erhebliche Summen in den Ausbau der Burg investiert. Dies bleibt auch nach Ausbruch des 30-jährigen Krieges so. Die Bemühungen waren allerdings umsonst. Im Jahr 1633 wurden Stadt und Burg von den schwedischen Truppen eingenommen und die gerade erste errichteten Verteidigungsanlagen zerstört.

Einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte der Burg bringt der Anfang des 18. Jahrhunderts. Es werden große Anstrengungen unternommen, die vorhandenen Kasten und Lagergebäude instand zu setzen. Der allgemeine Bauzustand der Burg war offensichtlich sehr schlecht. Nachdem 1725 der damalige Pfleger der Hofkammer meldet, dass das Wohnen im Schloss bereits lebensgefährlich sei, erstellt der Hofbaumeister Johann Dientzenhofer ein Gutachten. Da Dientzenhofer die Gebäude für nicht mehr sanierbar hält, wird beschlossen, dass sie abgebrochen und neu aufgebaut werden. Abbruch und Neubau der östlichen Gebäude erfolgen in den Jahren 1728 – 32 durch den Maurermeister Paul Mayer und den Zimmermeister Bernhardt Mörsburger nach Plänen Johann Dientzenhofers, der 1726 gestorben war. Überwacht werden die Arbeiten von keinem Geringeren als Balthasar Neumann. Bei diesem Umbau erhielt die Burg im Wesentlichen ihr heutiges Erscheinungsbild. Noch vor Beginn der Arbeiten ließ der Pfleger in der Stadt neben dem Weihertor einen neuen Amtssitz bauen, so dass die Burg nach dem Umbau nur noch als Gefängnis und Lagerburg für die beträchtlichen Getreideeinnahmen des Vilsecker Kastners dient.

Im Jahre 1803 geht die Burg in den Besitz des bayerischen Staats über. Bereits 1829 veräußert der Staat die Gebäude an die Stadt, die ihrerseits, trotz gegenteiliger Auflagen im Kaufvertrag, in verschiedene Anteile aufteilt und an Privatleute weiterverkauft. Seit dieser Zeit werden die Gebäude in erster Linie als landwirtschaftliche Lagergebäude genutzt, lediglich der Torbau wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts durch die Kolpingfamilie und die Kath. Kirchenstiftung zum Kolpinghaus umgebaut.

Zuletzt geriet die Burg mit zunehmendem Verfall nahezu in Vergessenheit.

 

 

Heute...

2001 weckte die Stadt Vilseck ihre Burg Dagestein mit der Sanierung des Bergfrieds wieder aus dem Dornröschenschlaf. In den Folgejahren wurden der Hof gepflastert und weitere Gebäude im Burgareal vorbildlich saniert, modernisiert und auf den neuesten technischen Stand gebracht: der Zehentkasten 2004, der Kasten Nord-Ost 2010 und der Kirwastodl 2011.

Innerhalb weniger Jahre konnte sich so ein wenig beachteter Gebäudekomplex zum ansehnlichen repräsentativen Zentrum für das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Stadt Vilseck mausern. Die reizvollen Gebäude und Winkel des Burgareals, vom Gewölbekeller bis zur Aussichtskanzel bieten ein abwechslungsreiches Ambiente und werden für Veranstaltungen aller Art genutzt. Auch Privatpersonen, Firmen und Vereinen bleibt dieses Angebot nicht vorenthalten.

Kunst & Kultur

"Zwischen Burg und Schilf" lautet das Motto für eine Vielzahl kultureller Veranstaltungen im Kulturkasten und im Pavillon der angrenzenden Vilsaue. Das Burgareal wird genutzt für Ausstellungen, Konzerte, Märkte, Freiluft-Kino, Brauchtumsfeste, Ritterlager, Vorträge und Kurse. 2018 wird es nun die ersten Burgfestspiele geben mit dem Titel "Lola Montez - die falsche Spanierin".

Ausstellungen bemerkenswerter bildender Künstler konnten schon in der Burg Dagestein gezeigt werden. Highlights waren die Doppel-Ausstellung anlässlich der Landesausstellung 2007 „Goldene Straße“ und „Akanthusaltäre“ und das "Internationale Künstlersymposium" 2015 in Zusammenarbeit mit "Pilsen 2015 - Kulturhauptstadt Europas".

Tagen & Tafeln

Die historischen Räumlichkeiten bilden einen außergewöhnlichen Rahmen für Tagungen, Empfänge, Firmenjubiläen, Hochzeiten oder Klassentreffen. In zwei großen Sälen finden jeweils bis zu 150 Personen Platz. Für ein kurzweiliges Rahmenprogramm sorgt die Tourist-Info mit abwechslungsreichen Themenführungen entlang des Kunstpfades, durch Burganlage, Altstadt oder Erstes Deutsches Türmermuseum.

Trauungen & Hochzeitsfeiern

Wer den Bund fürs Leben an einem besonderen Ort besiegeln möchte, wird in Vilseck fündig.
Die Burg Dagestein bildet einen romantischen Rahmen für standesamtliche Trauungen und Hochzeitsfeiern. Für größere Trauungsgesellschaften eignet sich das Erdgeschoß des Zehentkastens als Trauungsraum. Besonders romantisch ist eine Trauung bei Kerzenlicht in der ehemaligen romanischen Torhalle des Bergfrieds. Und für Paare, die eine einfache Trauung zum luftigen Event machen möchten, erklimmen die Standesbeamten sogar den Bergfried und trauen das Paar hoch oben in der Aussichtskanzel des Bergfrieds. Feiern kann die Hochzeitsgesellschaft gleich nebenan im Zehentkasten.

Erholung & Entspannung

Das Naherholungsgebiet "Vilsaue" grenzt direkt an die Burganlage. Entlang der Vils wurde 2015 ein internationaler Kunstpfad angelegt, der zum Flanieren einlädt. Es gibt einen Pavillon, einen Beobachtungssteg im Schilf, Sitzsteine und -schiffe am Wasser, einen Fitness-Parcours und ein Natur- Kneippbecken an der Burgquelle.

Öffnungszeiten

Außenbesichtigungen sind jederzeit möglich, der Innenhof ist frei zugänglich. Der Bergfried ist regulär von April bis September an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet und für Gruppen jederzeit auf Anfrage.
Nähere Informationen und Anmeldungen erhalten Sie im Rathaus, Marktplatz 13, Tel. 09662/9911 und 09662/9916 oder im Internet unter Burg-Dagestein.de